- Fraunhofer IZM


Recycelbare Bordelektronik Zum Seitenanfang

Ohne Elektronik geht in modernen Autos so gut wie gar nichts mehr. Allein beim Einstellen der Sitze werden zehn elektronische Steuereinheiten aktiviert. Mittlerweile entfallen rd. 25 Prozent der Herstellungskosten auf elektronische Bauteile. Der elektronisch gesteuerte Fahrkomfort ist allerdings nicht ganz unproblematisch: Während der Produktlebenszyklus von Autos bei rd. 20 Jahren liegt, entsprechen elektronische Bauteile bereits nach 5 Jahren nicht mehr dem Stand der Technik...

   

 

 

 

Unterschiedliche Lebenszyklen
Autohersteller sind verpflichtet, Ersatzteile 25 Jahre lang vorrätig zu haben. Da die Kontakte von elektronischen Bauteilen nach längerer Lagerung oxidieren, lassen sich Steuerungskomponenten für Antiblockiersysteme, Airbags oder Einparkhilfen nicht so lange lagern wie Schrauben, Reifen oder Karosserieteile. Branchenkenner bezeichnen das Ersatzteilproblem deshalb als Achillesferse der Automobilindustrie. Alle bislang eingeschlagenen Strategien zur Lösung des Problems, wie Langzeitlagerung, Nachfertigung, Abwärtskompatibilität sowie Wiederverwendung bzw. Aufarbeitung gebrauchter Baugruppen führten zu wenig überzeugenden Ergebnissen.





Nachhaltiges Ersatzteilmanagement
In einem vom BMBF mit 1,35 Mio. Euro geförderten Projekt arbeiten das Fraunhofer IZM, die Elektronikhersteller Conti Temic microelectronic GmbH und Hella KGaA Hueck & Co. sowie die Recyclingunternehmen Callparts System GmbH und RETEK AG an einer ebenso naheliegenden wie innovativen Lösung des Problems: Was bei Lichtmaschinen und Anlassern schon seit Jahren erfolgreich praktiziert wird, nämlich die Wiederverwendung gebrauchter Baugruppen, soll nun auch auf elektronische Bauteile übertragen werden. Ziel des Projekts ReECar ist es, Grundlagen für die Verwendung gebrauchter elektronischer Ersatzteile in der Automobilindustrie zu schaffen und somit den Weg für ein nachhaltiges Ersatzteilmanagement zu ebnen.

Erstaunlicher Belastungstest
Alle Ansätze zum Recycling elektronischer Bauteile scheiterten bislang an Vorbehalten der Automobilindustrie hinsichtlich der Qualität und Zuverlässigkeit recycelter Elektronikkomponenten. Doch erste Studien des Projekts ReECar zeigten erstaunliche Ergebnisse: Um die Zuverlässigkeit gealterter Fahrzeug-Elektronik zu untersuchen, wurden 10 Jahre alte, gebrauchte ABS- und Zentral-Steuergeräte extremen Belastungen wie thermischen Schocks, langsamen Temperaturwechseln sowie Vibrations- und Feuchtigkeitsbelastungen ausgesetzt. Alle geprüften Baugruppen erfüllten sowohl die elektrischen als auch die mechanischen Anforderungen. Selbst die mit Hilfe modernster Methoden untersuchten Lotgefüge, Chiplötverbindungen und Relaiskontakte wiesen keinerlei Belastungsschäden auf.

       

Positive Effekte 
Die Ergebnisse zeigen, dass selbst ältere und starken Belastungen ausgesetzte Elektronikbauteile noch höchsten Qualitäts- und Zuverlässigkeitsstandards entsprechen und somit durchaus wiederverwendet werden könnten. Zudem würde das Recycling elektronischer Komponenten eine Win-Win-Situation darstellen, von der Zulieferer, Hersteller, Endkunden sowie die Umwelt gleichermaßen profitieren: Die Belastung für die Umwelt sinkt, kostenintensive Lagerhaltung wird minimiert, neue Arbeitsplätze im Bereich der Logistik, der Aufarbeitung sowie der Qualitätssicherung würden entstehen. Recycelte elektronische Bauteile on demand  könnten also in Zukunft die Innovationslücke zwischen Auto- und Elektronikindustrie schließen...
             
Kontakt: Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM
             Georg Weigelt
             Gustav-Meyer-Allee 25, 13355 Berlin
             Tel.: 030/464 03 279
             Fax: 030/464 03 650
             www.izm.fraunhofer.de


 


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