- TU-Gründerwerkstatt


Gut vernetztes Gründeruniversum Zum Seitenanfang

Mit 30 Gründungen pro Jahr zählt die TU Berlin im Bereich der Gründungsförderung zu den erfolgreichsten Hochschulen Deutschlands und wurde im Juli 2011 vom BMWi für ihr Konzept GründerUNIversum Berlin als EXIST-Gründerhochschule ausgezeichnet. Ziel ist es, eine nachhaltige Kultur der unternehmerischen Selbstständigkeit auf allen Ebenen der Hochschule und über die Campusgrenzen hinweg zu etablieren. Ein wichtiger Baustein ist dabei die Einbettung in den Campus Charlottenburg. Besonders gut funktioniert die Zusammenarbeit mit dem im April eröffneten Charlottenburger Gründerzentrum CHIC, das Gründern der TU optimale Startbedingungen bietet. Wie die Absolventen der TU in der Gründerwerkstatt auf den Unternehmensstart vorbereitet werden, erläutern die Leiterin des Gründerservices, Agnes von Matuschka und die Gründungsberaterin Frau Kricheldorff.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Charlottenburger Gründerzentrum CHIC?
Agnes von Matuschka: "Die Zusammenarbeit funktioniert hervorragend. Ein entsprechender Kooperationsvertrag steht kurz vor der Unterzeichnung. Aktuell sind acht Ausgründungen der TU im CHIC ansässig. Mit dem CHIC sind wir nun in der Lage, die gesamte Wertschöpfungskette von der Innovation bis zur Marktreife komplett abzudecken. Durch die unmittelbare Nachbarschaft, das CHIC ist ja nur einen Katzensprung von uns entfernt, können wir unsere Gründungsteams auch weiterhin in Forschungsprojekte einbinden und in unser Forschungsnetzwerk integrieren. Zudem fungieren die Gründer als Ratgeber für andere gründungswillige Absolventen und sind durch die unmittelbare Nähe quasi Gründer zum Anfassen."

 

 

 

 

Das Team von Virtenio erzählte, dass sie in der Gründerwerkstatt der TU die bestmögliche Vorbereitung erhalten haben. Wie sieht die Unterstützung konkret aus?
Agnes von Matuschka: "Wir bieten gründungswilligen Absolventen Raum zur Entwicklung ihrer Geschäftsidee. Konkret heißt das, dass wir ihnen kostenlos Büros, Infrastruktur, individuelle Beratung und unser Gründungsnetzwerk für zwölf Monate zur Verfügung stellen. Voraussetzung ist, dass die Geschäftsidee innovativ ist und unsere Jury überzeugt, dass es einen Mentor an der TU gibt und dass es sich um ein nachhaltiges Geschäftsmodell handelt. Aktuell bieten wir sechs voll ausgestattete Büros mit PCs, Telefon, Internet, Drucker, Fax und Kopierer. Für Gründer, die Laborflächen benötigen, bieten wir darüber hinaus Gründungsinseln, die an den einzelnen Fachbereichen angesiedelt sind. Da die Arbeitsplätze in der Gründerwerkstatt sehr begehrt sind, haben wir eine entsprechend lange Warteliste. Deshalb würden wir gerne in unserem Gebäude zusätzliche Büros für Gründungsinteressierte schaffen. Da dazu allerdings die oberste Etage ausgebaut werden müsste, suchen wir derzeit nach Spendern, die uns bei der Schaffung von zusätzlichem Raum für vielversprechende Geschäftsideen unterstützen."

Seit 2007 haben Sie rund 30 Gründungsteams betreut. In welchen Bereichen gibt es den größten Unterstützungsbedarf?
Karin Kricheldorff: "Die meisten Gründungsideen sind sehr wissenschaftsorientiert. Manche Ideenskizzen ähneln eher wissenschaftlichen Abhandlungen als einem Geschäftskonzept. Statt des Kundennutzens werden häufig die Produktvorteile in der Vordergrund gerückt. In solchen Fällen raten wir, möglichst schnell den Kontakt zu potenziellen Kunden zu suchen, um die Marktchancen der Idee zu testen und das Geschäftsmodell entsprechend anzupassen. Der Besuch von Messen ist ein sehr gutes Barometer, um die eigene Geschäftsidee auf den Prüfstand zu stellen. Hier trifft man die anvisierte Zielgruppe und muss sich mit fachlich fundierten, kritischen Fragen auseinandersetzen. Der Besuch einer Messe kann einer Gründung auf der anderen Seite auch viel Auftrieb geben. So z.B. im Fall von Virtenio. Wir haben gemeinsam mit dem Team eine Messeförderung beantragt und der erste Messeauftritt war eine große Bestätigung für die Geschäftsidee. Fällt das Feedback nicht so positiv aus, muss die Marktpositionierung überarbeitet werden."






Viele technologieorientierte Gründer verfügen zwar über exzellentes Fachwissen, bringen aber häufig nicht das entsprechende betriebswirtschaftliche Know-how mit. Wie lässt sich dieses Defizit ausgleichen?
Agnes von Matuschka: "Das ist in der Tat ein Punkt, bei dem es großen Unterstützungsbedarf gibt. Da die gründungswilligen Absolventen zumeist einen technisch-wissenschaftlichen Background haben, basieren die Gründungsideen in der Regel auf einer technischen Innovation. Obwohl der Bereich Entrepreneurship ein fester Bestandteil des Studiums an der TU ist, macht das aus einem Wissenschaftler nicht automatisch einen Unternehmer. Deshalb unterstützen wir Gründungsvorhaben auch beim Teambuilding. Ideal ist die Kombination aus Wissenschaftlern und Wirtschaftsingenieuren. Die Wissenschaftler perfektionieren die technologische Basis der Gründungsidee, die Wirtschaftsingenieure kümmern sich um die Marktpositionierung und den Kundenkontakt."

Eine weitere Hürde ist die Startfinanzierung. Wer in der Gründerwerkstatt ein Jahr sein Gründungsvorhaben vorbereitet, kann nicht noch nebenbei arbeiten. Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es für die Startphase?
Karin Kricheldorff: "Wir unterstützen unsere Gründer bei der Beantragung eines EXIST-Stipendiums, das die meisten Teams auch erhalten. Damit sind die Personal- und Sachkosten für maximal 12 Monate gedeckt und die Gründer können sich voll und ganz auf die Gründung konzentrieren. Nach der Gründung gibt es die Möglichkeit, ein ESF-Stipendium der Senatsverwaltung für Wirtschaft zu beantragen. Das Stipendium läuft über 6 Monate und unterstützt die Gründungsteams mit monatlich 1.350 Euro pro Person. Darüber hinaus binden wir unsere Gründungsteams aktiv in Forschungsprokjekte ein und stellen den Kontakt zu Investoren her, die sich auf Frühphasenfinanzierung spezialisiert haben."

       

Werden die Gründungsteams auch noch von Ihnen unterstützt, wenn sie die Gründerwerkstatt verlassen haben?
Agnes von Matuschka: "Selbstverständlich haben wir immer ein offenes Ohr für unsere Gründer und stehen ihnen auch mit Rat und Tat zur Seite, wenn sie die Gründerwerkstatt verlassen haben. Allerdings verstehen wir uns nicht als Rundum-Sorglos-Paket, sondern eher als Katalysator, der wichtige Impulse gibt. Wenn man zwölf Monate auf engstem Raum miteinander arbeitet, entsteht natürlich eine vertrauensvolle persönliche Beziehung. Durch die unmittelbare Nähe zum CHIC kommen die Gründer auch mal auf einen Kaffee vorbei und bei dieser Gelegenheit schauen wir uns Anträge an und geben den einen oder anderen Ratschlag, wenn es gewünscht ist. Dass sich unsere ehemaligen Gründer gerne als Mentor für andere TU- Gründer einsetzen, regelmäßig an unseren Grünungs-Lunches teilnehmen und sich aktiv in unserem ALUMNI-Netzwerk engagieren, zeigt, wie eng die Bindung zur TU auch nach dem Verlassen der Gründerwerkstatt ist."

Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung als EXIST Gründerhochschule. Sie haben eine Förderung von 3,2 Millionen Euro erhalten. Welche neuen Gründerprojekte werden Sie damit auf den Weg bringen?
Agnes von Matuschka: "Wir wollen einen Pool von Interims-Managern aufbauen, die bei Bedarf sofort ins operative Geschäft der Gründerfirmen einsteigen können und somit personelle oder fachliche Lücken für eine begrenzte Zeit schließen, bis eine dauerhafte Lösung gefunden ist. Darüber hinaus werden wir für unsere Gründer einen Pool aus Steuerberatern und Anwälten aufbauen und jedem Team ein Kontingent an Beratungszeit einräumen, das entsprechend dem jeweiligen Beratungsbedarf individuell genutzt werden kann. Außerdem wollen wir die Internationalisierung unserer Gründer stärken. Technologieorientierte Gründungen agieren zumeist auf Nischenmärkten, die es international abzudecken gilt. Hier planen wir zweiwöchige Reisen zu interessanten Absatzmärkten wie Asien oder Amerika, bei denen unsere Gründer Kontakte zu potenziellen ausländischen Kunden und Kooperationspartnern knüpfen können."

www.gruendung.tu-berlin.de

Interview: Ariane Steffen


 


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