Trotz der Finanzkrise geht Berlins Startup-Unternehmern nicht das Kapital zur Anschubfinanzierung aus: "Krisenzeiten sind gut für Existenzgründungen, die Leute besinnen sich auf ihre eigene Kraft", sagt Gerhard Raetz, Prokurist des Innovations- und Gründerzentrums (IGZ) im Technologiepark Adlershof. Die Konditionen für Kredite hätten sich nicht verschlechtert, mit marktgerechten Konzepten seien Darlehen in der Regel kein Problem. Außerdem sei Berlin "ein Paradies an öffentlichen Fördermitteln". Auf Risikokapital privater Geldgeber sollten Gründer aber nicht setzen: "Das ist die unwahrscheinlichste Finanzierung."
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Kameras der S-Klasse
So sieht es auch Martin Regehly von der Greateyes GmbH in Adlershof, die hochauflösende Digitalkameras herstellt: Risikokapital (Venture Capital) für Startups sei die Ausnahme - ganz anders als in den USA. Durch die Krise sei es noch "wesentlich schwieriger geworden", Mittel von Anlegergesellschaften zu erhalten. Doch Greateyes ist eine Ausgründung der Humboldt-Universität, schon an der Uni nutzte der Diplom-Physiker ein Förderprogramm. Zusammen mit einem Informatiker, der nun sein Firmenpartner ist, entwickelte Regehly den Prototyp einer Spezialkamera für Industrie und Wissenschaft. Später konnte sich der Betrieb "aus dem eigenen Umsatz finanzieren", da es erste Bestellungen gab und Kunden vorab an eine Bank zahlten, die als Bürge fungierte. Jetzt hat sich die Firma für einen Förderprogramm der Investitionsbank Berlin (IBB) beworben.
"Unser erstes Kamerasystem ist seit kurzem am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme im Einsatz. Die aus einer CCD-Kamera, einer Alu-Konstruktion und einem beweglichen Lineararm bestehende Lösung scannt große Solarmodule und untersucht sie auf Kontaktbrüche, Punktdefekte, Mikrorisse und Inhomogenitäten", berichtet Geschäftspartner Michael Menz.
Natürlich gepumpte Mikrodosierung
Auch die Adlershofer Acuros GmbH hat ihre Wurzeln in der Humboldt-Uni. Laut Helge Adleff, einem der zwei Gründer, hat der im Herbst 2006 entstandene Betrieb gerade mit der Berliner Volksbank "eine zweite Finanzierungsrunde angeschoben". Anfangs war die IBB wichtig, die mit einer "stillen Beteiligung" ohne Mitspracherecht einstieg. Privates Risikokapital sieht Adleff kritisch: Bei vielen Venture-Capital-Gebern "ist die Bereitschaft erst dann groß, wenn man das Geld eigentlich nicht mehr braucht".
Spezialdisziplin seines jungen Unternehmens sind präzise osmotische Mikropumpen. Diese erlauben erstmals, Flüssigkeiten im Nanoliterbereich exakt zu dosieren, entsprechend der jeweiligen Anwendung zu regulieren und einen pulsfreien Durchfluss kleinster Flüssigkeitsmengen auch über längere Zeiträume aufrecht zu erhalten. "Da der Trend im Liquid Handling zu immer kleineren, leichteren und einfach zu bedienenden Einweglösungen geht, rechnen wir uns sehr gute Marktchancen aus." so Helge Adleff. Die Einsatzmöglichkeiten reichen von der Mikrofluidik, Mikroanalytik und Mikroreaktionstechnik über die Medizintechnik bis zur Entwicklung neuer Medikamente und Therapieverfahren. Dazu gehören beispielsweise völlig neue Möglichkeiten in der Schmerztherapie: Im Gegensatz zu Tabletten und Spritzen, deren Wirkstoff anfangs hoch konzentriert ist, sich jedoch sehr schnell abbaut und dann zu einer Unterversorgung führt, versorgen Acuros Mikropumpen Tumorpatienten kontinuierlich mit dem dringend benötigten Wirkstoff und ermöglichen ihnen damit ein schmerzfreies und weitestgehend normales Leben.
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Kontakt: www.izbm.de