- G&W Instruments


Patientendaten auf Mobilitätskurs Zum Seitenanfang

Eigentlich sollte die elektronische Gesundheitskarte schon 2006 die klassische Krankenkassenkarte ablösen. Doch auch nach sechsjähriger Entwicklungszeit steht das Projekt immer noch relativ am Anfang. Dabei ist die Idee gut: Eine Karte, die Doppeluntersuchungen unnötig macht, im Notfall Zugriff auf alle relevanten Patientendaten des Versicherten ermöglicht und so für mehr Transparenz und Kosteneffizienz im Gesundheitswesen sorgt. Anfang 2012 wird die elektronische Gesundheitskarte nun zunächst in einer "abgespeckten" Form eingeführt. Parallel dazu startet der flächendeckende Rollout von eHealth-BCS-Terminals, mit denen Ärzte die Patientendaten verarbeiten können.

Mobiler eTerminal
"Wir arbeiten zur Zeit an einem mobilem Kartenlesegerät, mit dem Notärzte und die Feuerwehr die Patientendaten an ihre Zentrale sowie das aufnehmende Krankenhaus übermitteln können", beschreibt Peter Wippich, Geschäftsführer der G&W Instruments GmbH, sein aktuelles Entwicklungsprojekt. Spezialisiert hat sich das im BIG ansässige Unternehmen auf Hard- und Softwareentwicklungen im B2B-Bereich. Im Auftrag von german telematics, einem von acht Unternehmen, die eHealth-BCS-Terminals für Ärzte und Krankenhäuser im gesamten Bundesgebiet produzieren. Die Aufgabe von Peter Wippich und seinem Team besteht darin, für german telematics die entsprechende Software und Elektronik zu entwickeln.


 

 

 

 

Intelligentes Lesegerät
Das mobile Lesegerät, das mit einem Touchscreen ausgestattet ist und optisch an ein Smartphone erinnert, kann Patientendaten anzeigen, lesen, drucken, speichern, verwalten und über eine USB-Schnittstelle auf dem PC des Arztes übertragen. Eine Online-Anbindung, die den Zugriff auf alle relevanten Gesundheitsdaten ermöglicht, ist in der Start-Version noch nicht integriert, soll aber in Zukunft möglich sein. Über einen geschützten Zugang kann jeder Arzt dann die auf einem Zentralserver liegenden vorherigen Behandlungen des Patienten einsehen.

Ausbaufähige Lösung
Auch wenn die erste Generation der neuen Gesundheitskarte nur die persönlichen Daten des Versicherten, ein Bild, Informationen zu Medikamentenunverträglichkeiten sowie eine elektronische Fallakte enthält, sollen auf ihr in Zukunft auch elektronische Rezepte und die gesamte Patientenakte gespeichert werden können. "Da wir wussten, dass die Gesundheitskarte in Zukunft noch viel mehr Funktionen enthalten wird, läuft unser Kartenlesegeräte auf einem Linux basierten Androidsystem, mit dem sich Funktionserweiterungen sehr leicht umsetzen lassen", erläutert Peter Wippich das technologische Fundament der mobilen Kartenlesegeräte.






Hohe Zulassungshürden
Rund ein Jahr hat das G&W-Team an dem mobilen Kartenlesegerät getüftelt, bis die Elektronik und Software den Vorgaben gerecht wurden. Doch der schwierigste Part im Rahmen des Projekts war nicht etwa die Entwicklung, sondern die sicherheitstechnische Zulassung durch das Bundesamt für Sicherheit (BSI) und den TÜV. "Die sicherheitstechnische Zulassung ist für einen Entwickler der mit Abstand unangenehmste Part. Der Antrag enthält mehrere Hundert Seiten, Hausaufgaben seitens der Prüfstellen sind an der Tagesordnung, so dass sich das ganze Prozedere über Monate hinzieht. Zeit, die ich wesentlich lieber in die Entwicklung von Elektronik oder Software investieren würde", führt Peter Wippich aus.

Fundierte Hard- und Softwarekompetenz
Peter Wippichs Anspruch ist es, aus verschiedenen Komponenten eine funktionierende Lösung zu entwickeln. Das setzt voraus, dass man neben der Softwarekompetenz auch über ein fundiertes Hardware Know-how verfügen muss. Dass G&W beides mitbringt, hat sich in der Branche längst herumgesprochen. Akquirieren muss Peter Wippich seine Kunden längst nicht mehr, sie kommen über Empfehlungen aus dem gut gepflegten Netzwerk automatisch auf ihn zu. Zum Kundenkreis von G&W Instruments zählen u.a. Hersteller von Industriesteuerungen, Fertigungsstraßen, Telematiklösungen und Fahrerassistenzsystemen.

       

Kooperative Linux-Spezialisten
"In Berlin gibt es nicht sehr viele Entwicklungsunternehmen, die sich auf Linux spezialisiert haben. Alle kennen sich persönlich und kooperieren miteinander, weil keiner dem anderen ein Stück vom Kuchen wegnimmt", beschreibt Peter Wippich die entspannte Konkurrenzsituation. Der aktuelle Trend in der Branche geht in Richtung embedded Linux. Obwohl die Implementierung im Vergleich zu anderen Betriebssystemen deutlich anspruchsvoller ist, bietet Linux doch erhebliche Vorteile: So lassen sich Geräte, wie die neuen Lesegeräte für die elektronische Gesundheitskarte, wesentlich einfacher individualisieren, da zusätzliche Funktionen und Anwendungen leicht programmiert werden können. Peter Wippich ist sich sicher, dass Linux basierte Lösungen in Zukunft eine wesentliche größere Rolle spielen werden. Behält er Recht, werden die Kompetenzen von G&W Instruments in den nächsten Jahren noch mehr gefragt sein.

www.gw-instruments.de

Text: Ariane Steffen


 


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